Sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Bürgerinnen und Bürger,
Haushaltsberatungen wirken oft abstrakt. Es geht um Ansätze, Defizite und Konsolidierungsmaßnahmen. Tatsächlich geht es aber um etwas ganz Konkretes:
Um Schwimmbäder und Sporthallen.
Um Kulturangebote und Büchereien.
Um sichere Wege zur Schule.
Um Bäume, die Schatten spenden.
Um den Zusammenhalt und die Lebensqualität in unserer Gemeinde.
Und genau darüber entscheiden wir heute.
Ein Haushalt ist mehr als Zahlen. Er zeigt unsere Prioritäten und entscheidet darüber, wie Grefrath morgen aussieht.
Ich möchte heute aber nicht nur über Defizite und Haushaltskonsolidierung sprechen, sondern vor allem darüber, was wir erreichen wollen.
Die finanzielle Lage ist ernst.
Wie viele Kommunen in NRW befindet sich auch Grefrath in der Haushaltssicherung. Aufgaben wachsen, Spielräume schrumpfen. Viele Belastungen werden uns von Bund und Land übertragen, ohne ausreichende Finanzierung. Das erklärt die Lage – entbindet uns aber nicht von Verantwortung.
Mit dem Nachtragshaushalt mussten wir erneut freiwillige Leistungen überprüfen. Hinter jeder Position stehen Menschen, Vereine und Engagement in unserer Gemeinde.
Aber Sparen ist kein Selbstzweck. Die entscheidende Frage lautet ja nicht: Wo können wir kürzen? Die entscheidende Frage lautet: Was wollen wir schützen?
Dazu gehören für uns die Ferienbetreuung und die Schulsozialarbeit. Wer bei Kindern und Jugendlichen spart, spart an der Zukunft unserer Gemeinde.
Genauso gilt das für Klimaschutz und die Klimafolgenanpassung.
Auch hier werden wir oft gefragt, ob wir uns das in Zeiten knapper Kassen leisten können. Unsere Antwort ist klar: Wir können es uns nicht leisten, darauf zu verzichten.
Klimaschutz und Klimafolgenanpassung sind längst Teil der kommunalen Daseinsvorsorge. Sie schützen nicht nur Umwelt und Lebensqualität, sondern auch unsere Infrastruktur und damit den kommunalen Haushalt selbst.
Jeder Baum, den wir heute pflanzen, spendet morgen Schatten. Jede entsiegelte Fläche hilft beim nächsten Starkregen.
Die Folgen von Extremwetterereignissen sind längst Realität vor Ort – und verursachen hohe Kosten. Vorsorge ist deshalb ökologisch sinnvoll und finanziell notwendig.
Wenn wir unsere Gemeinde klimaresilient gestalten und die Bürgerinnen und Bürger etwa über die Wärmeplanung beim Umstieg unterstützen, stärken wir Gesundheit, Lebensqualität und Unabhängigkeit von fossilen Energien.
Mit dem eingeplanten Budget für Klimaschutz und Klimafolgenanpassung bleiben zentrale Projekte wie die Nachhaltigkeitswoche, Altbaumschutz, Social-Media-Kampagnen, Trinkbrunnen oder Aktionen wie Putzmunter möglich.
Für uns gilt auch: Soziale Infrastruktur, Klimaschutz und Klimafolgenanpassung sind keine Gegensätze – sie gehören zusammen zu einer verantwortungsvollen Kommunalpolitik.
Trotz der schwierigen Lage bringen wir in Grefrath wichtige Zukunftsprojekte voran: das nachhaltige Rathaus, die energetische Sanierung der Albert-Mooren-Halle, die neue Turnhalle in Oedt oder die Sanierung der Grundschule an der Burg Uda. Investitionen wie diese stärken unsere Gemeinde dauerhaft.
Auch für das Freibad suchen wir nach Fördermitteln. Gerade in Zeiten zunehmender Hitze gewinnt ein Freibad eine neue Bedeutung – als Ort der Abkühlung und der Begegnung – unabhängig vom Einkommen.
Andere Projekte müssen wir zeitlich verschieben.
Der Ausbau der Radwege an der Mühlengasse und an der Plüschweberei wird zunächst zurückgestellt, um Fördermittel nutzen zu können.
Das Ziel bleibt. Gute Radwege sind kein Luxus. Sie bedeuten für Kinder einen sicheren Schulweg, für viele Menschen mehr Freiheit im Alltag und für unsere Gemeinde ein Stück Lebensqualität. Daher begrüßen wir besonders, dass es in Grefrath bald die ersten Fahrradstraßen geben wird.
Der im Rahmen des ISEK geplante Kreisel an der Mühlengasse wird nicht umgesetzt werden können. Das gehört leider zur Realität der Haushaltssicherung. Hier werden wir eine andere Lösung finden müssen.
Auch die Einnahmeseite haben wir geprüft, geplant ist eine Erhebung der tatsächlichen Hundezahlen.
Die Direktabwicklung beim Deutschlandticket führt zu deutlichen Einsparungen Was wir daraus lernen: Konsolidierung gelingt nicht nur durch Kürzungen, sondern auch durch effizientere Lösungen.
Doch wir müssen ehrlich sein: Das wird nicht ausreichen.
In der Fortschreibung des Haushaltssicherungskonzept ist vorgesehen, die Grundsteuer B in den kommenden Jahren anzuheben. Darüber und über die konkrete Höhe werden wir im Rahmen der Haushaltsberatungen 2027 entscheiden. Die Grundsteuer C für baureife Grundstücke, soll kommen. Auch über Themen wie die Sportstättennutzungsgebühr werden wir zum nächsten Haushalt erneut sprechen.
Liebe Bürgerinnen und Bürger,
Viele fragen sich: Warum kürzen wir freiwillige Leistungen und erhöhen Steuern und Gebühren, während wir weiter investieren?
Die Antwort ist: Wer heute am Fundament spart, zahlt morgen für die Risse im Haus.
Darum investieren wir heute dort, wo es unsere Gemeinde morgen trägt: in Bildung, Klimaschutz und eine funktionierende Infrastruktur. Denn eine starke Gemeinde schützt, was zählt – Kinder und Familien, den gesellschaftlichen Zusammenhalt und eine lebenswerte Umwelt.
Die Haushaltssicherung wird uns noch einige Jahre begleiten. Sie bedeutet nicht Stillstand, aber sie zwingt uns, noch genauer zu entscheiden, was wirklich zählt – und Förderchancen konsequent zu nutzen. Haushaltssicherung darf nie bedeuten, dass Zukunftsthemen als Erstes verschwinden. Genau dafür tragen wir politische Verantwortung.
Wir stimmen diesem Haushalt heute zu. Aber unsere eigentliche Aufgabe beginnt morgen.
Gerade beim Klimaschutz sehen wir es als unsere Aufgabe, den weiteren Weg aufmerksam zu begleiten. Oft wird gesagt, die Verwaltung tue bereits alles, was möglich ist. Entscheidend ist für uns, dass Klimaschutz in der konkreten Umsetzung sichtbar bleibt, von Anfang an mitgedacht wird und nicht zwischen anderen Prioritäten verschwindet.
Genau dafür sind wir im Rat: damit Zukunftsthemen nicht an den Rand geraten.
Vielen Dank!
Rede zum Nachtragshaushalt 2026 von Maren Rose-Hessler, Co-Fraktionssprecherin
Es gilt das gesprochene Wort.